Siemens Energy Aktie im Update: Turnaround verzögert sich

Siemens Energy ist gut positioniert, um zu einem Gewinner der Klimawende zu werden. Doch einige Faktoren belasten die Geschäftsentwicklung. Der Turnaround verzögert sich. Ist das eine gute Einstiegsgelegenheit? Alle Neuigkeiten in unserem Update zur Siemens Energy Aktie.

Inhaltsverzeichnis

Übersicht zur Siemens Energy Aktie

Kurs je Aktie17,00 EUR
KGV 2022e/23e-126/20,0
Div.-Rendite 2022e/23e1,5 %/2,4 %
FCF-Rendite 2022e/23e-2,5 %/7,5 %
ISINDE000ENER6Y0

Geschäftsmodell

Siemens Energy ist ein breit aufgestelltes Unternehmen, das entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Energietechnologie tätig ist. Konventionelle und Erneuerbare Energien befinden sich unter einem Dach.

Mit seinen Produkten hilft Siemens Energy, den steigenden Energiebedarf zu decken und gleichzeitig eine Reduktion der Treibhausgase zu ermöglichen.

Die von Siemens Energy errichteten Kraftwerke tragen mit einem Anteil von 16 % zur weltweiten Stromerzeugung bei.

Das Unternehmen ist von der Stromerzeugung über die Energieübertragung bis hin zur Energiespeicherung tätig.

Investitionsthese

Aktuell befindet sich das Unternehmen in einer Turnaround-Situation. Die Gewinnmarge ist hauchdünn. Im Geschäft mit den Windkraftanlagen laufen sogar Verluste auf.

Das Management reagiert mit verschiedenen Sanierungsplänen. Wenn diese aufgehen, steht ein deutlicher Ertragssprung bevor.

Trotz einer marktführenden Stellung und eines Umsatzvolumens von rund 30 Mrd. EUR beläuft sich der Unternehmenswert derzeit nur auf ca. 10 Mrd. EUR. Falls die Rückkehr in eine branchenübliche Gewinnspanne von 8-10 % gelingt, würde eine Neubewertung bevorstehen.

Mittelfristig dürften sich einige Chancen ergeben. Denn der Umbau auf eine klimaneutrale Wirtschaft steht bevor. Und der wird riesige Investitionen in Windkraftanlagen, Energienetze und Gaskraftwerke erfordern. Siemens Energy kann diese Produkte liefern und so zum Gewinner der Energiewende werden.

Wichtige KPIs zur operativen Entwicklung

Auftragseingang/Entwicklung der Nachfrage

Ende März erreichte das Auftragsbuch mit einem Wert von 89 Mrd. EUR einen neuen Rekord.

Das Book-to-Bill-Ratio lag bei einem Wert von 1,2. Die Kennziffer wird ermittelt, indem der Auftragseingang durch den Umsatz geteilt wird. In anderen Worten: Erneut konnte Siemens Energy mehr Aufträge an Land ziehen als abgearbeitet wurden.

Trotzdem ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal nur um 2 % gestiegen. Das liegt an Problemen bei der ebenfalls börsennotierten Tochter Siemens Gamesa Renewable Energy, an der Siemens Energy derzeit 67 % der Aktien hält. Dort gab es bei einer neuen Windkraftanlage Probleme im Bereich der Beschaffung sowie in der Produktion.

Signale aus der Politik

Der russische Angriffskrieg hat den europäischen Staaten bewusst gemacht, wie stark die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern nach wie vor ist.

Daher bereiten die Regierungen eine beschleunigte Umsetzung der Klimawende vor. Das sollte dazu führen, dass Investitionen nach vorne gezogen werden. Doch die Mühlen der Politik mahlen langsam. Bis der Ausbau der Windkraft tatsächlich beschleunigt werden kann, dürften noch einige Jahre vergehen.

Entwicklung der Gewinnmarge

Das Unternehmen hat sein Geschäft in zwei Segmente aufgeteilt:

Im Segment Gas and Power hat die EBITA-Marge vor Sondereffekten einen Wert von 6,0 % erreicht. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lag der Wert noch bei 4,5 %.

Angesichts der starken Preissteigerungen ist diese Margenausweitung positiv zu sehen. Im nächsten Jahr soll die Marge bereits auf 6-8 % steigen, ab 2025 bei einem Wert von über 8 % liegen.

Der Vorstand hat in den letzten Calls darauf aufmerksam gemacht, dass die im Auftragsbuch eingegangenen Aufträge einen weiteren Anstieg der Gewinnmarge erwarten lassen. In diesem Segment gefällt uns die Entwicklung.

Im Segment Siemens Gamesa Renewable Energy ist die EBITA-Marge vor Sondereffekten hingegen auf einen Wert von -12,8 % (!) eingebrochen. Im Vorjahresquartal lag die Gewinnmarge noch bei einem Wert von 4,8 %.

Verantwortlich für die dramatische Verschlechterung der Ertragslage sind verschiedene Faktoren:

  • Kostensteigerungen im Einkauf von Rohstoffen
  • Kostensteigerungen im Transport
  • Verfügbarkeit von Zulieferteilen
  • operative Probleme im Hochlauf einer neuen Windkraftanlagen-Plattform
  • zudem ist der Markt nach wie vor von einem extrem harten Wettbewerb und Überkapazitäten geprägt

Auf Gesamtebene hat sich die EBITA-Marge vor Sondereffekten daher auf einen Wert von -0,3 % reduziert.

Erkenntnisse aus den Quartalszahlen und dem Management Call

Übernahmeangebot für die Siemens Gamesa Renewable Energy Aktien

Siemens Energy möchte die Probleme bei Siemens Gamesa Renewable Energy endlich in den Griff bekommen. Bisher hält das Unternehmen ca. 67 % der Aktien an der Windkraftanlagen-Tochter. Den restlichen Aktionären wurde ein Übernahmeangebot zu einem Preis von 18,05 EUR je Aktie unterbreitet.

Sollten alle Aktionäre das Angebot annehmen, würde Siemens Energy rund 4 Mrd. EUR für die restlichen Anteile bezahlen müssen. Davon sollen rund 2,5 Mrd. EUR über eine Kapitalerhöhung finanziert werden. Das würde die Zahl der ausstehenden Aktien um ca. 20 % erhöhen. Die anstehende Kapitalerhöhung könnte erneut auf den Kurs der Siemens Energy Aktie drücken.

Sanierungsplan für Siemens Gamesa Renewable Energy vorgestellt

Der CEO wurde ausgewechselt. Im Mai wurde ein Sanierungsplan vorgestellt, der unter anderem vorsieht:

  • Die mit den Kunden geschlossenen Verträge so zu ändern, dass Preissteigerungen in der Produktion (z. B. durch einen Anstieg der Rohstoffpreise) automatisch an die Kunden weitergegeben werden.
  • Die Preisuntergrenzen bei Ausschreibungen so festzulegen, dass ein höheres Maß an Profitabilität gewährleistet ist.
  • Langfristige Verträge in der Beschaffung zu schließen, um Rabatte zu erhalten.
  • Die Standardisierung von Komponenten innerhalb des Unternehmens zu erhöhen.

Unserer Meinung nach wird es einige Zeit dauern, bis die Maßnahmen ihre Wirkung entfalten können. Das grundsätzliche Problem in der Branche bleibt vorerst weiter bestehen. Trotz aller Ankündigungen in Richtung eines schnelleren Ausbaus von Windkraftanlagen in Europa bestehen nach wie vor Überkapazitäten.

Fazit: Viel Geduld erforderlich, weitere Entwicklung beobachten ⚠️

Kurzfristig und mittelfristig hat Siemens Energy mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen. Einige davon sind hausgemacht, einige treffen alle Anbieter der Branche:

  • Das russische Geschäft wird (weitgehend) eingestellt. 2,5 % Umsatzanteil könnten entfallen.
  • Die Verfügbarkeit von Zulieferteilen ist eingeschränkt. Siemens Energy hat ein Werk in Shanghai, das von den Lockdowns getroffen wurde.
  • Die Kostensteigerungen bei Rohstoffen und in der Logistik belasten die Gewinnentwicklung.
  • Es gibt Überkapazitäten und einen harten Preisdruck im Markt für Windkraftanlagen.

Langfristig gesehen deutet jedoch nach wie vor vieles auf einen erfolgreichen Turnaround hin. Die EU hat kürzlich ein Verbot von neu zugelassenen PKWs mit Verbrennungsantrieb ab dem Jahr 2035 beschlossen. Gleichzeitig sollen die Gas- und Ölheizungen in Gebäuden gegen Wärmepumpen ausgetauscht werden. Beide Maßnahmen werden zu einem starken Anstieg des Strombedarfs führen.

Der Umbau zu einer klimaneutrale Wirtschaft wird große Investitionen erfordern. Siemens Energy ist weltweit führend bei modernen Gaskraftwerken, Offshore-Windanlagen, bei der Energieübertragung sowie bei industriellen Anwendungen. Daher könnte das Unternehmen in den nächsten Jahren einige sehr interessante Aufträge einsammeln und zu einer branchenüblichen Gewinnspanne zurückkehren.

Wann die Belastungsfaktoren verschwinden bzw. abgearbeitet sind, lässt sich kaum vorhersagen. Vermutlich sind noch Jahre an Geduld erforderlich. Einerseits will die EU einen schnellen Ausbau der Freiheitsenergien. Anderseits sind die Planungs- und Genehmigungsverfahren immer noch so kompliziert, dass erst ab dem Jahr 2025 mit einem Anstieg der neu errichteten Windkraftanlagen zu rechnen ist.

Ich habe mir nach der Analyse im Januar eine sehr kleine Position an Siemens Energy Aktien in mein Depot gelegt. Der Depotanteil beträgt rund 0,4 %. Rückblickend war das etwas zu früh. Aktuell notiert die Aktie rund 15 % tiefer. Bei einem Kurs von ca. 14 EUR werde ich über einen Nachkauf nachdenken.

Die Volatilität im Kursverlauf der Siemens Energy Aktie wird voraussichtlich stark erhöht bleiben. Daher eignet sich die Aktie nur für risikobereite und erfahrene Investoren, die viel Geduld mitbringen.

Wenn der Turnaround gelingt, dürften Kurse über 30 EUR möglich sein.

Alle unsere Artikel zur Siemens Energy Aktie

Recherchequellen

Dieser Abschnitt ist für alle, die auf eigene Faust weiter recherchieren möchten. Hier folgt eine Auflistung der wichtigsten Recherchequellen:

RecherchequelleWas ist dort zu finden?
AbilitatoSiemens Energy Aktienanalyse
Aktienfinder.netGrafiken und Kennzahlen zur fundamentalen Entwicklung 
Marketscreener.comAnalystenschätzungen zur künftigen Entwicklung
TIKR.comGrafiken und Kennzahlen zur fundamentalen Entwicklung
Siemens EnergyQuartalszahlen Q1/2022
Siemens EnergyInvestorenpräsentation zu den Q1/2022 Quartalszahlen
Siemens EnergyCEO Präsentation, Capital Market Day 2022
Siemens EnergyCFO Präsentation, Capital Market Day 2022
Siemens EnergyAktionärsbrief, Q1/2022
Siemens Gamesa Renewable EnergyCEO Präsentation, Capital Market Day 2022
Seeking AlphaTranskript zum Siemens Energy Q1/2022 Management Call

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Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels ist der Autor in folgender Aktie aus dem Artikel investiert: Siemens Energy.

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