HeidelbergCement Aktie im Update: Die Energierechnung steigt um 60 Prozent!

Was für ein Umfeld: Aufgrund von Zinserhöhungen trübt sich die Konjunktur ein. Dazu steigt die Energierechnung um satte 60 Prozent. Die HeidelbergCement Aktie hat bereits im Kurs nachgegeben. Ist die Investitionsthese immer noch intakt?

Inhaltsverzeichnis

Übersicht zur HeidelbergCement Aktie

Kurs je Aktie46 EUR
KGV 2022e/23e5,8/5,8
FCF-Rendite 2022e/23e17,1 %/17,1 %
Div.-Rendite 2022e/23e5,6 %/5,9 %
ISINDE0006047004

Geschäftsmodell

HeidelbergCement ist einer der weltgrößten Baustoffhersteller.

Das Unternehmen deckt die ganze Wertschöpfungskette ab:

  • vom Betrieb der Steinbrüche
  • über die Herstellung von Zement in Zementwerken
  • bis zur Weiterverarbeitung und dem Transport von Beton und Asphalt zu den Kunden.

Auch geografisch gesehen ist das DAX-Unternehmen ausgewogen aufgestellt.

Investitionsthese

Die Cashgenerierung von HeidelbergCement fällt üppig aus. Allerdings musste das Unternehmen viele Jahre lang einen hohen Schuldenberg abtragen. Daher kam vom Cashflow kaum etwas bei den Aktionären an. Dieser Prozess ist mittlerweile vollständig abgeschlossen.

Als Folge dessen ist das Management nun dazu übergegangen, einen immer größeren Teil des erwirtschafteten Cashflows an die Aktionäre auszuschütten.

Dies geschieht über die Auszahlung einer jährlich steigenden Dividende. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei fast 6 %.

Zudem hat HeidelbergCement vor einigen Monaten erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Aktienrückkaufprogramm über 1 Mrd. EUR gestartet. Dieses wurde in drei Tranchen zu je 300-350 Mio. EUR eingeteilt. Die dritte und letzte Tranche könnte schon in Kürze starten.

Ingesamt wird HeidelbergCement im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms ca. 10 % der ausstehenden Aktien erwerben. Der Rückkauf hat den Effekt, als hätte man seine Aktienposition um 11 % ausgebaut – ohne dabei weiteres Kapital nachschießen zu müssen.

Die Cashgenerierung des Unternehmens ist so hoch, dass in den nächsten Jahren weitere Rückkäufe folgen könnten.

Doch aktuell kommt die HeidelbergCement Aktie einfach nicht vom Fleck. Die Bewertung wird immer günstiger, wie die folgende Grafik zeigt.

Bewertung der HeidelbergCement Aktie anhand des KGVs

Bewertung der HeidelbergCement Aktie anhand des KGVs.
Bildquelle: Aktienfinder.net.

So lag die Bewertung im Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei einem KGV von 13. Aktuell ist die Bewertung auf ein KGV von 5,8 gesunken. Das entspricht einem Bewertungsabschlag von 56 % auf den historischen Mittelwert. Erstaunlich ist, dass dieser Abschlag in eine Zeit fällt, in der die Bilanz des Unternehmens so solide ausfällt wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Doch wie lässt sich die niedrige Bewertung erklären? Einerseits handelt es sich bei HeidelbergCement um ein zyklisches Unternehmen. Sollte die Inflation nur durch immer noch höhere Zinsen (von bspw. über 4 %) bekämpft werden können, würde das die Bautätigkeit abwürgen.

Doch solange nicht von einem extrem heftigen Wirtschaftseinbruch ausgegangen wird, scheint dieses Risiko bereits im Aktienkurs eingepreist zu sein. Bleibt eine weitere Erklärungsmöglichkeit:

Das Geschäftsmodell wird von vielen Investoren als wenig zukunftsträchtig eingestuft. Das liegt am hohen CO2-Ausstoß. Eine ähnliche Situation war viele Jahre lang bei Ölwerten zu beobachten. Deren Bewertungen sind ebenfalls immer weiter gesunken.

Bis die Energieknappheit im Jahr 2022 zu einer Neueinschätzung des Sektors geführt hat. Allen Nachhaltigkeitsschlagzeilen zum Trotz ist der Ölverbrauch höher als je zuvor, und wir sind dringend auf das „schwarze Gold“ angewiesen.

Eine ähnliche Situation deutet sich in der Zementindustrie an. Das Management von HeidelbergCement geht davon aus, dass die weltweite Bautätigkeit bis zum Jahr 2030 um 35 % zulegen wird.

Das Wachstum ist auf Trends wie die Urbanisierung, den Ausbau/die Modernisierung der Infrastruktur sowie auf den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft zurückzuführen.

Aufgrund strenger Umweltvorschriften und geringer Bewertungen an der Börse investieren die Zementhersteller jedoch kaum in kapazitätserweiternde Maßnahmen. Somit könnte eine steigende Nachfrage auf eine begrenzte Kapazität treffen. Das würde über die Jahre Spielraum für Margenerhöhungen schaffen.

Fazit: Es wäre nicht das erste Mal, dass sich eine Investition in einen unbeliebten und kaum beachteten Sektor auszahlt. In Summe könnte die ohnehin hohe Cashgenerierung weiter zulegen. Wenn es dann auch noch zu einer Neubewertung der Aktie kommt (z. B. mit einem KGV von 12 statt 6), würde sich eine Investition noch stärker auszahlen. Die Wartezeit wird mit einer Dividendenrendite von knapp 6 % versüßt.

Doch Investoren sollten sich bewusst sein, dass sie in eine schwankungsfreudige Aktie investieren. Derzeit deuten einige Indikatoren auf eine bevorstehende Rezession hin. Blicken wir also auf die aktuellen Zahlen des Baukonzerns:

Wichtige KPIs zur operativen Entwicklung

Umsatzwachstum/Entwicklung der Nachfrage

Im zweiten Quartal ist es HeidelbergCement gelungen, den Umsatz auf vergleichbarer Basis um 10,4 % zu erhöhen.

  • Der Zementabsatz ist um knapp 7 % gegenüber dem Vorjahresquartal eingebrochen. Das Unternehmen nennt als Gründe eine Eintrübung der Konjunktur in Europa sowie übliche Quartalsschwankungen, die bspw. aufgrund des vorherrschenden Wetters ausgelöst werden.
  • Das rückläufige Verkaufsvolumen konnte somit durch Preiserhöhungen im deutlich zweistelligen Prozentbereich mehr als ausgeglichen werden.

Wir trauen dem Unternehmen über den Zyklus hinweg weiterhin ein jährliches Umsatzwachstum von 2 % zu, getrieben von einer weltweit steigenden Bauaktivität und Preisanpassungen an die Inflation.

Gewinnentwicklung und Cashgenerierung

Die operative Gewinnmarge (EBIT-Marge) ist gegenüber dem Vorjahresquartal von 17,3 auf 14,8 % gesunken.

Der Margeneinbruch lässt sich einerseits mit einem durch die hohen Energie- und Transportkosten aufgeblähten Umsatzvolumen erklären.

Anderseits sind die Energiepreise derart explodiert, dass die durchgeführten Preiserhöhungen nicht ausgereicht haben, um die gestiegenen Kosten vollständig auszugleichen.

Doch HeidelbergCement bleibt am Ball und erhöht die Preise immer stärker.

HeidelbergCement Aktie: Das Unternehmen versucht durch Preiserhöhungen die Kostensteigerungen auszugleichen.
Bildquelle: Investorenpräsentation Juli 2022, HeidelbergCement.

Die linke Hälfte der Grafik zeigt, dass es dem DAX-Unternehmen im zweiten Quartal gelungen ist, Preiserhöhungen von 22,1 % gegenüber dem Vorjahr durchzuführen.

Auf der rechten Hälfte der Grafik wird dargestellt, ob die Verkaufspreise schneller oder langsamer angehoben werden konnten, als die Kosten gestiegen sind.

Im Juni ist es erstmals gelungen, die Kosteninflation vollständig an die Kunden weiterzugeben. Das Management zeigte sich im Earnings Call zuversichtlich, diesen Trend im zweiten Halbjahr fortsetzen zu können.

Alles in allem ist der operative Gewinn (EBIT) gegenüber dem Vorjahresquartal dennoch um 5 % gesunken. Angesichts einer Energiekosteninflation von ca. 60 % ist es aus unserer Sicht jedoch beachtlich, dass die Ertragskraft fast vollständig erhalten werden konnte.

Unsere Annahme einer langfristigen zyklusbereinigten Cashgenerierung (FCF) von 1.700 Mio. EUR sehen wir daher weiter als intakt an, wenngleich der Free Cash Flow in diesem Jahr etwas geringer ausfallen dürfte. Das liegt neben dem leichten Gewinnrückgang daran, dass aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise nun mehr Kapital im Unternehmen gebunden ist, u. a. für die Energievorräte.

Bilanz und Capital Allocation

HeidelbergCement möchte die Verschuldung in einem Korridor vom 1,5- bis 2,0-fachen EBITDA halten. Aktuell liegt der Verschuldungsgrad beim 1,8-fachen EBITDA.

Bis zum Jahresende soll die Verschuldung auf das 1,4-fache EBITDA sinken. Das würde Spielraum für eine erneute Kapitalrückführung an die Aktionäre schaffen. Das Unternehmen wird voraussichtlich in den nächsten Monaten die dritte und letzte Tranche des aktuellen Aktienrückkaufprogramms starten.

Zudem schaut sich das Management nach Übernahmezielen um. Die Übernahmen müssten jedoch gut zum bestehenden Portfolio passen sowie strenge finanzielle und nachhaltige Kriterien erfüllen.

Angesichts der äußerst günstigen Bewertung der HeidelbergCement Aktie wird aus unserer Sicht jedoch bis auf Weiteres mit Aktienrückkäufen mehr Wert geschaffen als mit Übernahmen.

Erkenntnisse aus den Quartalszahlen und dem Management Call

Energiekrise in Europa führt zu einer Prognosesenkung

Anstatt wie bisher eine leichte Steigerung des operativen Gewinns zu prognostizieren, rechnet das Management nun mit einem leichten Gewinnrückgang im Jahr 2022.

CEO Dr. Dominik von Achten zeigt sich kämpferisch: Im Earnings Call kommunizierte er, dass die Mannschaft intern immer noch auf das alte Jahresziel einer leichten Gewinnsteigerung hinarbeitet. Nur kann das eben nicht mehr mit ausreichender Sicherheit prognostiziert werden, denn die Energiepreisentwicklung und Konjunktureintrübung könnten einen Strich durch die Rechnung machen.

Immerhin verbraucht HeidelbergCement mit wenigen Ausnahmen kein Gas für die Zementherstellung. Von der Gaskrise ist das Unternehmen somit „nur“ indirekt aufgrund von höheren Strompreisen betroffen. Die Hauptenergieträger des Konzerns sind Kohle, alternative Brennstoffe sowie Dieselkraftstoff.

Ob am Ende des Jahres ein Gewinnwachstum oder ein Gewinnrückgang von 10 % steht, ist aus unserer Sicht nicht allzu wichtig. Denn unser Investmentcase beruht nicht darauf, ob die nächsten Quartalszahlen besser oder schlechter ausfallen als gedacht.

Unsere Überzeugung basiert auf der langfristig steigenden Ertragskraft des Unternehmens, das zu einem sehr günstigen Preis erworben werden kann.

Entwicklung des operativen Gewinns (EBIT) von HeidelbergCement

Entwicklung des operativen Gewinns von HeidelbergCement.
Bildquelle: TIKR.com.

Der starke Rückgang der Bautätigkeit in den USA hinterließ ab dem Jahr 2009 seine Spuren. Anschließend dauerte es einige Jahre, bis HeidelbergCement zur vollen Ertragskraft zurückkehrte.

Trotzdem halten wir fest: Alles in allem sind die Schwankungen in der Ertragskraft geringer ausgefallen, als es die achterbahnartig verlaufende Kursentwicklung vermuten lassen würde. Anstatt sich auf die nachhaltige, zyklusbereinigte Cashgenerierung zu fokussieren, folgen viele Marktteilnehmer kurzfristigen Branchentrends.

Obwohl das Jahr 2022 etwas schwieriger als zunächst gedacht verläuft, wird HeidelbergCement auch in diesem Jahr einen operativen Gewinn von ca. 2.400 Mio. EUR erwirtschaften. Zur Einordnung: Das Unternehmen verdient somit alle 3,6 Jahre den gesamten Börsenwert. Zumindest solange, wie sich die Nachfrage nicht weiter eintrübt.

Entwicklung der Nachfrage

Jeweils ca. ein Drittel der Nachfrage stammt aus dem privaten Wohnungsbau, der gewerblichen Bautätigkeit sowie dem Infrastrukturbereich.

  • Beim privaten Wohnungsbau hat sich die Nachfrage zuletzt etwas abgeschwächt, weil sich einige Bauherren im aktuellen Umfeld den Bau schlichtweg nicht mehr leisten können. An der grundsätzlichen Nachfrage bzw. Wohnungsknappheit hat sich nichts geändert.
  • Die gewerbliche Bautätigkeit ordnet HeidelbergCement als stabil ein.
  • Im Infrastrukurbereich herrscht eine starke Nachfrage. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Aufbau einer LNG-Infrastruktur sowie die Modernisierung der Verkehrswege sorgen in vielen Ländern für ein boomendes Geschäft.

Niemand kann seriös abschätzen, wie sich die Faktoren Inflation, Konjunktur und Bautätigkeit in den nächsten Quartalen entwickeln werden. Doch frisch veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die deutsche Wirtschaft entgegen vieler pessimistischer Stimmen auch im zweiten Quartal gewachsen ist.

Aus unserer Sicht zahlt es sich bei der langfristigen Geldanlage nicht aus, allzu pessimistisch in die Zukunft zu schauen. Die Erwartung einer leichten Rezession dürfte im Aktienkurs bereits enthalten sein.

Fazit: Check bestanden, Investitionsthese ist intakt ✅

HeidelbergCement ist ein Unternehmen mit hoher Cashgenerierung und niedriger Bewertung. Aufgrund des zyklischen Geschäftsmodells kommt es zu erhöhten Schwankungen bei der Gewinnentwicklung und im Aktienkurs.

Daher eignet sich die HeidelbergCement Aktie nur für risikobereite Anleger. Außerdem sollte die Positionsgröße begrenzt werden.

Als Autor dieses Artikels bin ich nach wie vor in der Aktie investiert und sehe keinen Grund, das jetzt zu ändern. Schon mehrfach habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sich an der Börse lohnt, antizyklisch zu handeln.

Investitionen in Zementhersteller sind weder sexy noch beliebt. Genau deshalb könnte die Idee aufgehen. Viele Anleger machen einen Bogen um den Sektor. Entsprechend günstig sind die Bewertungen.

Dieses Umfeld wird von HeidelbergCement genutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen. So steigen Ertragskraft und innerer Wert der Aktie weiter an.

Wer von einer schweren Wirtschaftskrise ausgeht, sollte nicht in die Aktie investieren. Ich persönlich wehre mich jedoch dagegen, ein allzu schwarzes Bild von der Zukunft zu malen.

Langfristig wird die Bautätigkeit aufgrund des wirtschaftlichen Aufstiegs, der Urbanisierung, der Modernisierung der Infrastruktur und der Klimawende weiter zunehmen.

Doch wann es zu einer Neubewertung des Sektors kommt, weiß ich natürlich auch nicht. Beim Investieren ist oftmals eben viel Geduld erforderlich.

Aufstocken werde ich meine Position nicht, da ich zeitgleich die Buzzi Unicem Aktie im Auge behalte. Die Bewertung des italienischen Konkurrenten ist ähnlich günstig, die Bilanz noch solider.

Darüber hinaus verdient Buzzi Unicem den Großteil des Geldes in den USA, eine Kombination aus HeidelbergCement und Buzzi Unicem Aktie sollte bei ähnlichen Chancen zu einer noch besseren geografischen Diversifikation führen.

Auch die nächsten Quartale werden wir die weitere Entwicklung der HeidelbergCement Aktie genau beobachten. Melde dich für unseren kostenfreien Newsletter an und verfolge ab sofort die weitere Unternehmensentwicklung gemeinsam mit uns.

Melde dich für unseren kostenlosen, wöchentlichen Newsletter an

    Alle unsere Artikel zur HeidelbergCement Aktie

    Recherchequellen

    Dieser Abschnitt ist für alle, die auf eigene Faust weiter recherchieren möchten. Hier folgt eine Auflistung der wichtigsten Recherchequellen:

    RecherchequelleWas ist dort zu finden?
    AbilitatoHeidelbergCement Aktienanalyse
    Aktienfinder.netGrafiken und Kennzahlen zur fundamentalen Entwicklung 
    Marketscreener.comAnalystenschätzungen zur künftigen Entwicklung
    TIKR.comGrafiken und Kennzahlen zur fundamentalen Entwicklung
    HeidelbergCementHalbjahresfinanzbericht 2022
    Seeking AlphaTranskript zum HeidelbergCement Q2/2022 Management Call
    HeidelbergCementInvestorenpräsentation zu den Halbjahreszahlen 2022

    Melde dich für unseren kostenlosen, wöchentlichen Newsletter an